Sonntag, 27. Mai 2012
Buchkritik: Arto Paasilinna, Vom Himmel in die Traufe
Ein finnisches Schurkenstück
Arto Paasilinna, Vom Himmel in die Traufe
Eine in Pelz gekleidete Schwedin stürzt mit dem
Heißluftballon vom Himmel. Der tapfere Naturbursche
Hermanni Heiskari angelt gerade an einem Eisloch,
als die reiche Lena Lundberg aus der Luft hinabsegelt.
Er schleppt sie in Ermangelung eines Schlittens auf
dem Rücken zu verschiedenen Hütten, um die Verletzte
schlussendlich ins Krankenhaus zu bringen. Sie sind
ein komisches Paar: er, der arme Holzfäller und sie,
die steinreiche, vornehme Reederin. Heiskari findet
sie anziehend. Sie ihn wohl auch, denn sie vergisst
ihm seine Wohltaten nicht. Stattdessen schickt sie
Heiskari ihren Abgesandten namens Ragnar Lundmark,
der ihm von nun an als Butler zur Seite stehen soll.
Ein Jahr lang soll es Hermanni an nichts fehlen. Der
Bote ist zunächst wenig vom arbeitslosen Holzfäller
angetan, der sich zu allem Übel auch noch für einen
Aufstand der Arbeitslosen stark macht. Sie sollen
die Ausbeuter Tag und Nacht in einem offenen Protest
bespitzeln und ihnen Angst machen. Magenschwüre würden
die Folge sein. Nach anfänglichen Zechtouren der beiden
verlangt Gönnerin Lena von ihrem Onkel Ragnar, dass er
aus Heiskari einen vornehmen Gentleman macht. Dieser
wird neu eingekleidet und muss mit fast 50 Jahren neu
gehen lernen, weil dessen Gang für Rangar's Begriffe
einfach zu sehr nach einer Durchquerung von Sümpfen
aussieht als nach einem angemessenen Gehen. Es ist
herrlich, der schwülstigen Sprache Arto Paasilinna's
und seinen verqueren Einfällen zu folgen. Als Lena
mit Hermanni in einem Verlobungszelt übernachtet und
nackt schwimmt, sind rund 50 Teleobjektive auf sie
gerichtet. Doch nicht auf ihren wohlgeformten Körper,
sondern auf seltene Vögel. Ornithologen - Vogelkundler -
sitzen im Gebüsch. Ragnar und Hermanni gehen erneut
auf "Bildungs-"Reisen. Golfspielen, Englisch lernen
und sogar ein Tangokurs mit Ragnar als "Partnerin"
stehen auf dem Programm. Dabei erhält Lena regelmäßige
Berichte von Ragnar Lundmark, auch aus Dublin.
Sowohl der Onkel als auch seine Nichte werden von
Heiskari's Plänen zur Arbeitsmarktpolitik angestachelt.
Denn diese begleiten den arbeitslosen und jetzt verlobten
Holzfäller auch in ferne Länder wie Neuseeland, Japan,
den Cook-Inseln. Und auf Tahiti entwirft er Guerilla-
Strategien. Von der Südsee wollen die Kumpane gar nicht
mehr weg, aber die energische Lena will heiraten und
die Hochzeitsreise mit Hermanni in einem Heißluftballon
antreten. Wo der Ballon landet, da will sie sich niederlassen.
Erneut hat Arto Paasilinna eine bezaubernde Fabel gesponnen,
in die jeder gerne lachend ein- und am liebsten gar nicht
mehr auftaucht.
(c) Corinna S. Heyn
Arto Paasilinna,
Vom Himmel in die Traufe.
Roman.
Aus dem Finnischen von Regine Pirschel.
Bastei Lübbe PB 2011.
Preis: 8,99 Euro
www.luebbe.de
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